Gedicht von Ernst Spieler, 1969

Bilder von der Altmetall-
Sammlung 11. April 1981

Aufruf zur Altmetall-Sammlung

Wie Ihr vernehmt an dieser Stelle
kommt zu Euch die Blaskapelle
in der Gemeinde überall
zu sammeln alles Altmetall.
Es kommt dies nicht von Ungefähr,
der Trachten brauchen wir nun mehr.
Fünfzehn - Mädchen und auch Knaben
wollen eine Tracht auch haben.
Zum Lohn für Müh und Fleiß
´gebührt Ihn' dieser Preis.
Unsere Kasse ist zu klein
um alles zu verkraften allein;
das Vertrauen zu Euch ist groß
gebt uns,
was doch im Weg steht bloß.
Wir haben hier notiert,
was uns sehr interessiert:
Bei den Nesseln hinterm Schöpfchen
liegt bestimmt so manches Töpfchen,
Auch Leitungsrohre dann und wann
an solchem Ort man finden kann.


Rechen, Gabeln, alte Zinken,
Räder die schon lange hinken.
Weidedraht der dauernd bricht,
Stacheldraht, der nicht mehr sticht.
Kinderwagen und Draisinen
alte Drahtabzwickmaschinen,
tut die Sachen nicht vergessen
bevor's der Zahn der Zeit gefressen.
Alte Nägel in den Laden
Hämmer die sie krumm geschlagen.
Alte Schlüssel und auch Schrauben
die kein Anziehn mehr erlauben.
Kleinste Teile verschmähn wir nicht
denn wir brauchen viel Gewicht.
Hufeisen alt, ob schief ob grad
kein Pferd ist da, welch's tragen mag.
Messer, Balken, die nur rupfen,
Sie tun Euch nur die Zeit verschnupfen.
Soviel wir manchmal können sehen
verbogene Feldbahnschienen hinter Sägen
das Rad läuft nie mehr in der Spur
der Musik dient das Zeug jetzt nur.
Wenn irgendwo, wie es so geht,
ein ganz verschundnes Auto steht,
ein Bulldog groß und von Romat
wenn selbst er kein Motor mehr hat.
Durch's Wirtschaftswunder angetan
steht mach Motorrad ohne Mann.
In ein paar Jahr'n ist's trotzdem schlecht,
drum eben grad für uns noch recht.
Durch die Modernen Heumaschinen
bleiben viele alte liegen,
Sie alle sind aus Guss und Stahl
einzig grad für's Altmetall.
Gar manche steht am Waldesrand
vergesst sie nicht, ‚s' wär allerhand.
Karren, Schlitten, Torbeschläge,
stumpfe Feilen, Pickel, Säge.
Anbindkette von der Kuh -
mal auch ein Gläschen Schnaps dazu -
alles können wir gebrauchen,
um es wieder zu verkaufen.































Alte Öfen ganz aus Guss
sind sie schwarz auch noch von Russ.
Und auch alte Batterien,
ob eigen oder auch geliehen.
Heuwagen welche weggeschmissen,
vom Hühnervolk werd'n sie ver....
Alte Mühlen, Pflüge, Eggen
langsam sie ja doch verrecken.
Und ne alte Transmission
die seit vielen Jahren schon
unbrauchbar am Dachstuhl hängt
wird gerne von uns abgeschwenkt.
Und die alten Dreschmaschinen
laßt dort oben niemals liegen,
sonst tut Ihr mitnichten
dort oben gar den Holzwurm züchten,
dieser steigt Euch dann auf's Dach
und plötzlich macht's dort oben Krach.
Nun so könnt Ihr wie Ihr sehet
und mal fest ums Haus rum spähet
uns den größten Dienst erweisen
nur durch Euer altes Eisen.
Es ist ja nicht für uns allein -
's ist für uns alle, allgemein.
Jetzt zum Schluß noch eine Bitt
helft beim Sammeln alle mit,
dass wir schnell den Hof Euch räumen,
und nicht soviel Zeit versäumen.
Zeit ist Geld, und Geld ist rar
und wir bleiben immerdar
in Dankbarkeit auf alle Fälle
Ihre wohlgestimmte Blaskapelle.
Die Sammlung wird voraussichtlich am Samstag, den 19. April 1969 durchgeführt.
© Musikkapelle Maria-Thann, www.mk-maria-thann.de, 01.10.2006